Reisetraumland

Historisches Paradies

Heute machen wir eine sehr, sehr lange und noch anstrengendere Tour. Es geht erst nach Chichen Itza und dann mit einem kleinen Zwischenstopp in einer unterirdischen Cenote nach Meridá.
Gegen 6:30 Uhr fahren wir los. Helen geht es nicht so gut und sie döst noch ein bisschen im Auto. Nach unendlich erscheinenden 2 Stunden sind wir in Chichen Itza. Und hier ist alles super gut organisiert. Wir werden direkt in unseren Parkplatz eingewiesen. Das ist neu. Sonst suchen wir uns selbst ein schattiges Plätzchen, aber nicht hier. Das wird sicher kuschelig nachher, wenn wir weiter fahren und die Sonne ein paar Stunden Zeit hatte, das Auto vorzuwärmen.

Jetzt geht es aber erstmal los. Wir zahlen den Eintritt und wollen dann durch die Schranke. Da werden wir wieder zurück geschickt. Wir haben für je 125,- Pesos nur die Steuer gezahlt. Die Eintrittskarte muss man noch an einem anderen Schalter kaufen. Ist ja klar. Dann dürfen wir aber rein. Wir laufen den Weg entlang zu den Ruinen – vorbei an unzähligen Souvenirständen. Sämtliche Wege auf dem Gelände sind rechts und links gesäumt von Souvenirständen. Alles ist bunt und laut – das passt gar nicht hierher und macht die Stimmung kaputt. Wir schauen uns die Hauptpyramide und den Ballspielplatz an und stellen fest, dass es ohne Guide irgendwie doof ist. Man kann sich alles anschauen, versteht aber nichts und lernt auch nichts dazu.

Also laufen wir zum Eingang zurück und buchen einen Guide. Der ist sehr nett und erzählt uns sehr viele Hintergründe. Es ist beeindruckend, was die Maya hier gebaut haben. Wir stehen zentral vor der großen Pyramide, der Guide klatscht in die Hände und es folgt eine Art Echo mit einem knatschenden Geräusch am Ende. Verursacht wird dieses Phänomen durch die Pyramide und den durch Türen offenen Zeremonienraum oben drauf. Die Maya glaubten, dass sie auf der Pyramide den Göttern näher sind. Für sie war auch wichtig, ihre Götter zu erleben, also zu hören oder zu sehen. Das Hören haben wir gerade selbst erlebt, aber das Sehen? Unser Guide zeigt uns die seitlichen Stufen der Pyramide, die ganz unten in einen Schlangenkopf münden. Genau am 21.März um 17 Uhr fällt das Licht so, dass die Stufen mit dem Rest ein Licht und Schatten Spiel ergeben, das so aussieht, als ob die Schlange von oben nach unten kommt. 25.000 Menschen schauen sich das jedes Jahr wohl an.

Anschließend laufen wir weiter zum großen Ballspielplatz. Hier gibt es die unterschiedlichsten Meinungen. Unser Guide sagt, der Ballspielplatz wurde nie zum Ballspielen genutzt, sondern war lediglich ein spiritueller Ort. Er begründet dies damit, dass der Platz zum Spielen ungeeignet ist. Die Ringe, durch die der Ball geschossen werden muss, hängen 4m über dem Boden, die Wände sind zu wenig schräg. Er zeigt uns einige in Stein geschnitzte Figuren und führt auch hier diverse Echotricks vor.

Andere sagen, hier wurde so lange gespielt bis ein Tor fiel und der Mannschaftskapitän der siegreichen Mannschaft wurde zum Schluss als Menschenopfer für die Götter dargebracht. Es ist schwer, genaues herauszufinden, weil die Tradition des Ballspiels irgendwann ausgestorben ist. So gibt es im wesentlich später erbauten Tulum gar keinen Ballspielplatz mehr, in Chichen Itza jedoch noch 12 über die gesamte Anlage verteilt.

Inzwischen sind wir in der absoluten Mittagshitze unterwegs und haben das Gefühl, gleich in Ohnmacht zu fallen, sollten wir nicht bald Wasser trinken, aber unsere Flaschen sind leer. Das ist das tolle – überall Souveniers aber kein Wasser weit und breit. Unser Guide zeigt uns den einzigen Stand, der Wasser verkauft und dann kann es weitergehen. Wir laufen um die zentrale Pyramide herum weiter zum Observatorium, das so aussieht, wie man es sich vorstellt. Wir wundern uns über die nicht symmetische Anordnung und die Türen. Die Maya haben schon die Sterne beobachtet, für sie waren aber Sonnenuntergang und Sonnenaufgang viel wichtiger, denn sie haben geglaubt, dass die Sonne jeden Abend stirbt und jeden Morgen wiedergeboren wird. Das wiedrum hat etwas mit der Anordnung der Welt zu tun. Oben im Himmel sind die Götter, auf der Erde die Menschen, Tiere und Pflanzen und unten der Tod. Und so wie ein Samen, den man unten in die Erde steckt zu einer Planze wiedergeboren wird, so ist das auch mit der Sonne. Hier ist eine weitere Möglichkeit, das Göttliche zu sehen. Am 21. Juni – also am längsten Tag des Jahres – ist mittags kein Schatten von dem Gebäude zu sehen. Und am 21. Dezember fällt das Licht zum Sonnenuntergang als ein langer Strahl durch die Tür des Gebäudes.

Wir schauen noch ein bisschen rum, er erklärt noch so einiges und verabschiedet sich dann. Wir wollen auch weiter. Die Cenote im dritten Dorf nach Chichen Itza (rechts vom Hühnergrill) wartet auf uns. Die recht präzise Wegbeschreibung führt uns tatsächlich zur Cenote. Wir zahlen den Eintritt von 50,- Pesos pro Person und steigen die Stufen hinab. Die Cenote liegt völlig unter der Erde und ist nach dem Staub und dem Wind in Chichen Itza herrlich erfrischend. Anfangs noch in Gesellschaft zahlreicher Einheimischer, sind wir dann irgendwann ganz allein hier unten. Das Wasser ist kristallklar und wir genießen die Abkühlung.

Später geht es weiter nach Meridá. Uns fällt leider erst in Meridá auf, dass wir eigentlich gar keinen Plan haben und nicht wissen, wohin wir wollen. Entsprechend scheußlich finden wir die Stadt bis wir den Kern der Altstadt gefunden haben. Hier ist ein Park, die älteste Kathedrale und diverse andere Häuser aus der Kolonialzeit. Wir essen zu Abend und schlendern ein bisschen rum. Für 20 Uhr ist ein Maya Ballspiel angekündigt. Leider können wir solange nicht bleiben, denn wir müssen noch gut 3 Stunden heim fahren, was wir nach einem kurzen Spaziergang auch tun. Auf dem Heimweg finden wir dann natürlich weitere schöne Plätze in Meridá. Nach endlosen 350km sind wir zu Hause. Gute Nacht.

P.S.: Fotos gibt es von heute leider nicht, weil ich sie aus Versehen alle gelöscht habe.

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